Einfach mal „Nein“ sagen und seine Wünsche äußern. Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Das möchte der Rhetorikdozent Christoph Teschner den Teilnehmern seines Volkshochschulkur- ses am Sonnabend, 23. März, vermitteln. Warum er seinem Kurs den Titel „Kampfrhetorik und Selbstbewusstsein“ gegeben hat, hat der Hannoveraner der ZZ- Redakteurin Sophie Stange verraten.

 

Warum haben Sie sich dazu entschieden, einen Kurs zum Thema „Kampfrhetorik und Selbstbewusstsein“ in Zeven anzubieten? Ich arbeite sehr gerne mit Frau Stephan und Frau Boesch zusammen. Sie sorgen für gute Atmosphäre und gestalten die Rahmenbedingungen freundlich und ge- konnt. Davon profitiere ich. Davon profi- tieren die TeilnehmerInnen.

 

Seit wann bieten Sie Kurse an der Volks- hochschule in Zeven an? Den Kurs biete ich seit drei Jahren an. Das Interesse an dem Kurs ist sehr groß. Ich vermute, dass Men- schen im Alltag nicht erdrückt werden wollen von den Ansprüchen und Vorgaben Anderer.

 

Ist das Interesse an dem Thema über die Jahre gestiegen? Wenn ja, wie erklären Sie sich das? Das Interesse am Thema ist ge- stiegen, – zudem habe ich mir auch einen guten Ruf erarbeitet. Ich biete sehr viele klar definierte Werte, Theorien und Übungsformen an und verbinde sie mitein- ander. Der Kurs ist etwas Besonderes. Es gibt zudem einen großen Wunsch nach Transparenz und Ehrlichkeit.

   

    Die Ziele, die ich vermitteln möchte, sind:

 

-  Autonomie; selber entscheiden, was ich will


-  Bedingungslose Selbstakzeptanz; mich so sehen, wie ich bin und mit Wohlwollen und

    Ehrlichkeit die Realität beschreiben

 

-  Integration von Gefühl und Verstand; alle Gefühle gehören zum Leben –

   auch Ärger und  Trauer. Sie geben mir Impulse für meine Entscheidungen.

    Wichtig dabei ist: Wir sind  n i c h t   f ü r   u n s e r e   G e f ü h l e  verantwortlich, nur

   für unsere Handlungen.

 

Ihr Kurs heißt „Kampfrhetorik und Selbst- bewusstsein“. Was hat das eine mit dem an-deren zu tun? Es geht in dem Kurs sowohl um das Kämpfen, wie auch das Bekämp- fen. Die Teilnehmer können lernen, ihre eigenen Stärken zu nutzen, ohne einen Konkurrenzgedanken zu haben. Man kann ja fünf Kilometer laufen in einer bestimm- ten Zeit, ohne an jemand anderen zu den- ken. „Ich mache das, was ich mache, so gut ich kann“, heißt der Motivationssatz. Dies bedeutet, dass ich mich oder jemand anderen nicht schlechtreden oder mit ihm konkurrieren sollte. Ich entscheide selber. Für das Bekämpfen brauchen wir aber ein paar schnelle und freche Vorgehensweisen. Diese vermittle ich in Form von Vorüberlegungen, aber auch mittels praktischer Übungen aus meinem „Bodytalk“.

   

   Es geht darum, im Alltag zu üben, eigene Gedanke

         und Wünsche  zu benennen , ohne jemanden

          anzugreifen.

 

 

Zuvor brauchen Menschen allerdings eine Klärung, ob die Situation wirklich „verfahren“ ist. So wird schlechtes Gewissen ver- mieden. All diese Kompetenzen (compete- re = kämpfen; Kompetenz Kampfkraft) Ge- fühle und Vorüberlegungen fließen in 

Sprache und deren Ausdrucksform ein. Es gibt „keinen Text ohne Kontext“. Diesen Kontext gilt es zu gestalten, nicht nur den direkten Redeauftritt.

 

Warum sprechen Sie von „Kampfrhetorik“?

Ich war eine Weile Lehrer in öffentlichen Schulen – auch zwei Jahre in Frankreich. Dabei fiel mir auf, dass verbal lediglich die Ansprüche auf Höflichkeit, Freundlichkeit, Zurückhaltung und Disziplin geäußert und vermittelt wurden. Dynamik, Tatkraft, Durchsetzungsvermögen und Risikobereit- schaft blieben „außen vor“. Der Kampf- geist vieler temperamentvoller Kinder wur- de nicht positiv entwickelt, nicht wertge- schätzt und häufig unterdrückt. Die Wert- schätzung der eigenen Handlungsorientie- rung ist daher für Erwachsene sehr wich- tig. Ich schätze Abenteuerlust, Kreativität und Querdenken sehr. Die Gesellschaft braucht neue Ideen und deren Umsetzung.

 

Es gibt Situationen im Leben, da hat man nicht die richtigen Worte parat. Erst Stunden später fällt einem ein, was man am liebsten geantwortet hätte. Warum ist das so? Es gibt zwei Möglichkeiten sich zu zeigen und zu sprechen:

- Ich zeige mich, wie ich bin, benenne meine Gefühle, aber auch meine Stärken.

  Oder:

- Ich zeige mich, wie ich denke, dass ich gut ankomme.

 

In diesem Falle nutze ich meine Logik und sage nur das, was beim Anderen gut ankommt. Den Rest verschweige ich. In diesem Span- nungsfeld leben wir. Leider ist das Verschweigen zum Normalverhalten, gerade im Beruf, geworden. Ich plädiere dafür, Wort und Gedanken in Übereinstimmung zu bringen. Ghandi sagte: „Glück ist, wenn das, was du denkst, sagst und tust, im Ein- klang miteinander ist.“ Natürlich gelingt das nicht immer. Das Spannungsfeld bleibt bestehen. Etwas Spannung ist notwendig, wenn wir handeln wollen.

 

Inwiefern haben Sie Tipps, wie man im Alltag und im Berufsleben spontaner antworten kann? Es geht darum, im Alltag zu üben, eigene Gedanken und Wünsche zu benennen, ohne jemanden anzugreifen. Die Stimme soll laut sein. Es wird in ganzen Sätzen gesprochen, um mehr Raum einzunehmen. Der Blick bleibt offen unddie Ausatmung wird aktiv unterstützt. Ja, und Verbote aus der Kindheit werden außer Kraft gesetzt. „Ich darf mich nicht zeigen, wie ich bin“ wird zu: „Ich bin berechtigt, natürlich zu sein und meine Gedan- ken und Gefühle auszusprechen.“ Diese Berechtigung bringt uns zurück in unsere Kraft. Basis für die aktive Gestaltung der Situation ist die Mittelspannung. Dabei soll die Spannung beim Zuhören oder Warten die Gleiche sein, wie beim Spre- chen. Das vermeintliche „Nichtstun“ ist dabei oft der anspruchsvollere Vorgang

.

Was wollen Sie mit dem Kurs erreichen?

Autonomie, Selbstakzeptanz, Integration von Gefühl und Logik zur Verbesserung des Lebensgefühls und der Durchsetzungs- fähigkeit im Alltag, für die TeilnehmerIn- nen. Gespräche mit freundlichen Men- schen und ein Honorar, für mich.

 

Was hat den Impuls gegeben, dass Sie sich mehr und mehr mit dem Thema auseinan- dergesetzt haben? Ich habe nach meinem Lehrerstudium eine fünfjährige überaus strikte Theater- und Gesangsausbildung absolviert mit dem Ziel „Authentizität“ (Grotowski, für ein „armes Theater“). So schaue ich mir jetzt den Alltag an und überprüfe diesen immer wieder mit der Frage „Stimmt das? Stimmt das wirklich?“ (Byron Katie).

 

Gibt es Momente, in denen Ihnen auch manchmal die Worte fehlen? Ich teile sehr viel mit – in den Kursen sind die Teilneh- mer sehr interessiert an meinem Wissen. Nur in seltenen Fällen fragt jemand nach Persönlichem. Die ruhig gestellte Frage „Wie geht es dir?“ macht mich manchmal sprachlos, weil ich ansonsten immer sach- lich und nach außen gerichtet spreche. Es ist für mich nicht immer leicht, Gefühle zu beschreiben.

 

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zeven@zevener-zeitung.de

Auf einen Blick
Was: VHS-Kurs

„Kampfrhetorik und Selbstbewusstsein“

 

Wann: Sonnabend, 23. März, 10.15 Uhr bis 17 Uhr

 

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04281/945-888 04281/945-0 04281/945-949

04281/945-666

Wo: Lindenstraße 6 in Zeven, VHS-Haus, Raum 2


 

Bewertung eines Ingenieurs, Teilnehmer am Bildungsurlaub

"Kampfrhetorik und Selbsbewusstsein" 2015, in Bielefeld:

 

„Nachdem ich zuletzt bei Ihnen das Seminar mitgemacht

 

habe,  - an einem Tag, als es noch furchtbar kalt war! - bin

 

ich zu der Auffassung gekommen, dass ich für meinen

 

Umgang mit meinen Jugendlichen kräftig profitiert habe

 

von dem Angebot: "Kampfrhetorik".

 

Ich würde bei nächsten Termin gerne wieder mitmachen,

 

um die Erfahrungen zu vertiefen - UND

 

vielleicht ist das auch was für Kollegen und Kolleginnen

 

von mir. Ich werde das Kurs-Angebot studieren,...“

 

 

Auszug aus der Ostfriesenzeitung

 

vom 3. Januar 2013

 

Die Niedersachen wählen am 20. Januar ihr neues Landesparlament.

Die OZ stimmt ihre Leser darauf ein.

Heute: Ein Kommunikationstrainer erklärt, woran man die Glaubwürdigkeit

von Politikern erkennen kann.

 

 

Augen auf bei  den

 

Wahlversprechen

 

VON PETRA HERTERICH

 

OZ-SERIE

 

 

Christoph Teschner:

 

Wenn Worte und Gedanken nicht zusammenpassen,

 

flackern die Lider

 

vom 3. Januar 2013

 

 

LEER - Politiker haben oft eingroßes Problem mit ihrer

Glaubwürdigkeit. Der Wähler kauft ihnen nämlich längst

nicht mehr alles ab, was sie so von sich geben. Zu viele

leere Versprechungen waren schon dabei. Die Frage ist,

woran man erkennen kann, ob ein Mensch gerade die

Wahrheit sagt und aus Überzeugung handelt – oder ob er

lügt und sich für Dinge einsetzt, an die er selbst nicht

glaubt?

„An den Augen“, sagt Christoph Teschner.

Er ist Kommunikationstrainer und Rhetorikdozent

(siehe Infokasten). Und er weiß: „Wenn Worte und Gedanken

nicht zusammenpassen, klappen die Augenlider

automatisch zu.“ Das sei beim ehemaligen

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

(CSU) gut zu beobachten gewesen. „Bei ihm klappten

ständig die Augen zu. Ich hab immer gesagt, dass der nicht 

die Wahrheit sagt, aber mir hat keiner geglaubt“, sagt Christoph Teschner.

Dabei seien Guttenbergs Augen immer offen gewesen.

„Dass die Augen zuklappen,ist eine Übersprungshandlung, 

es passiert automatisch“,  erklärt der Kommunikationstrainer 

die flackernden Lider.

 

„Natürlich lassen sich Politiker schulen, in Gestik, Mimik,

Auftreten und vor allem Rhetorik“, erklärt Teschner.

„Ich glaube auch nicht, dass jemand heute noch in der Politik

eine Chance hat, der sich völlig ungeschliffen ins Rennen begibt.

Ich würde jedem raten, sich erst coachen zu lassen

und dann in der Öffentlichkeit anzutreten.“

Wenn man sich öffentlich präsentiere, sei es oft schon

schwierig genug, zu wissen, wohin man mit seinen Händen

soll. „Das hat zum Beispiel die Bundeskanzlerin prima gelöst.

Das Merkel-Schiffchen kennt inzwischenja wohl jeder“, sagt Christoph Teschner.

 

Aussehen und Auftreten der Politiker seien für ihren

Erfolg sehr wichtig, so der Kommunikationstrainer.

„Die Menschen beurteilenheute oft viel mehr die Optik

als den Inhalt. Texte wie Wahlprogramme werden doch kaum gelesen.

Man schaut eher auf den Kandidaten.

Wir nähern uns durchaus amerikanischen Verhältnissen.

Eine Glatze darf da kein Politiker haben“, istTeschner überzeugt.

Glaubwürdigkeit sei aber eine nicht zu unterschätzende Währung

in der Politik. Die müsse man vermitteln können. „Vergessen

darf man auch nicht, dass 40 Prozent der Menschen

auf Gefühl reagieren. Also nicht auf Zahlen, Daten

und Fakten, sondern auf direkte Ansprache und persönliche Zuwendung.“

Gerade wer sehr klug sei, habe oft Not, auch die Gefühlsebene zu bedienen.

„Natürlich muss man für seine Überzeugungen eintreten -

aber ohne zu missionieren“, betont Christoph  Teschner.

„Auf die Menschen zugehen, mit echtem Interesse, das ist wichtig.“