Die Unworte des Jahres 

 

Mein Unwort des Jahres 2019 lautet : „unfassbar“. Ich finde, mehr Klischee und Humbugphrase geht nicht. Wenn jamand sehr wichtig sein möchte, und es nicht ist, benutzt er dieses Wort. Und zwar im Überfluss. 

Das Unwort des Jahres 2018 lautet "Anti-Abschiebe-Industrie". Der Ausdruck unterstelle denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützten, die Absicht, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen und damit Geld verdienen zu wollen, begründete die Jury ihre Wahl. Der Ausdruck wurde im Mai 2018 durch den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt, in die Diskussion eingeführt.

Im Jahr 2017 lautete das Unwort     alternative Fakten     Dabei handele es sich um einen "verschleiernden und irreführenden Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen", hieß es in der Begründung. US-Präsident Donald Trump ließ bei dieser Wahl grüßen.

2016 wurde Volksverräter zum Unwort gekürt. Der Begriff sei "ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten", begründete die Jury die Wahl. Als Vorwurf gegenüber Politikern sei das Wort "in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt".

Für 2015 entschied sich die Jury GUTMENSCH als "Unwort des Jahres". Die Begründung: Vor allem in Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe diffamiere das Wort "Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd".

 

Gefühlsvokabular                                         

                                    

Ungefähr  35 bis 40% aller Menschen würden im Alltag gerne ihren empathischen

Kommunikationskanal nutzen. Den meisten fehlt aber das Vokabular, um sich selbst

  und Andere anhand der Worte zu erkennen oder aktiv zu beschreiben.

 

1. Mögliche Beschreibungen positiver Gefühle    +     +

 

Adjektive wie „gut“ oder „schlecht“ verhindern durch ihre Ungenauigkeit häufig den realistischen Kontakt. Diese grobe Art der Beschreibung reicht nicht aus. Die folgenden Begriffe befähigen uns, positive Gefühle und Wahrnehmungen  differenziert auszudrücken, und uns selbst oder Andere zu beschreiben.  

 

angeregt aufgeregt angenehm aufgedreht aufmerksam ausgeglichen befreit begeistert behaglich beliebt  berauscht berührt  beruhigt  beschwingt betroffen bewegt cool dynamisch, eifrig ekstatisch energiegeladen enthusiastisch entlastet entzückt entschlossen entspannt entzückt,erfreut, erfrischt, erfüllt, ergriffen, erleichtert, erregt, erstaunt, fasziniert, freundlich, friedlich  fröhlich froh gebannt geborgen gefasst gefesselt gefühlt gehalten gelassen genießerisch, gespannt gerührt gesammelt geschützt, gesund, glücklich, gut gelaunt, heiter, hellwach, hoch erfreut, hoffnungsvoll, inspiriert, jubelnd, kräftig, kraftvoll, klar, lebendig, leicht, leidenschaftlich, liebevoll locker luftig lustig lustvoll mitfühlend motiviert mütterlich munter mutig, naseweis,natürlich neugierig optimistisch relaxed ruhig satt sehnsüchtig, schwungvoll, selbstsicher, selbstzufrieden selig sensibel sicher sinnlich sonnig spontan spritzig still strahlend, tapfer, temperamentvoll überrascht überschwänglich überwältigt unbekümmert unbeschwert, väterlich, vergnügt verliebt verträumt vertraut vertrauensvoll wach weich weit wertvoll wissbegierig wohl zärtlich zufrieden  zugeneigt zurückhaltend zuversichtlich

 

 2.  Ausdruck gestresster   Empfindungen

 

Dazu gehören moralisierende oder abwertende Begriffe.  

     

abgeschnitten, angegriffen, aufgelaufen, ausgebeutet, ausgenutzt, bedroht, belastet, benutzt, beschämt, betrogen, bevormundet. eingeengt, eingeschüchtert, festgenagelt, gequält, gezwungen, gestört,  herabgesetzt, hintergangen, ignoriert, in die Enge getrieben, manipuliert, missbraucht, missverstanden, nicht beachtet,  nicht ernst genommen, nicht geachtet, nicht gehört, nicht gesehen, nicht verstanden, nicht unterstützt, nicht respektiert, nicht wert geschätzt, niedergemacht, provoziert, sabotiert, übergangen, unterbrochen, unter Druck gesetzt, unterdrückt, ungewollt, uninteressant, unwichtig, verarscht, verladen, verlassen, vernachlässigt, vernichtet, verwiesen, verwirrt,  zerzaust, zurückgetrieben, zurückgesetzt, vereinnahmt

 

 

aggressiv, ängstlich, ärgerlich, alarmiert, angeekelt, angespannt, ärgerlich, apathisch, aufgeregt, ausgelaugt, bedrängt, bedrückt, beklommen, belästigt, benebelt, besorgt, bestürzt, betroffen, betrunken, bekifft, bitter, bockig, deprimiert, dumpf, durcheinander, einsam, elend, empört, enttäuscht, entrüstet, ermüdet, ernüchtert, erschlagen, erschöpft, erschrocken, erschüttert, erstarrt, frustriert, furchtsam, gebrochen, gehemmt, geladen, gelähmt, gelangweilt, genervt, hasserfüllt, hilflos, in Panik, irritiert, kalt, kribbelig, lasch, leblos, lethargisch, lustlos, miserabel, müde, mutlos, nervös, niedergeschlagen, perplex, ratlos, ruhelos, traurig, sauer, scheu, schlapp, schüchtern, schockiert, schwer, sorgenvoll, streitlustig, teilnahmslos, tot, überwältigt, sorgenvoll, übergangen, unglücklich, unter Druck, unbehaglich, verspannt

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Floskeln vermeiden

 

schön, dass Sie da waren. Der Gast sitzt auf einer Bühne, in einem Fernsehstudio und ist eindeutig noch nicht weg. Der Gastgeber kann leider nicht zwischen Gegenwart und Vergangenheit unterscheiden.  Richtig hieße es: "Schön, dass Sie gekommen sind."  Das ist doch einfach - oder? 

Alternativlos Kanzlerin Merkel hat diesem Begriff zu noch mehr Popularität verholfen. Er suggeriert, es gebe nur eine einzige Möglichkeit. Das kann jedoch nur rhetorisch gemeint sein, denn eine Alternative gibt es immer – auch wenn sie ggf. nicht sinnvoll ist.    

hermetisch abgeriegelt Weißer Schimmel am Grenzposten. Ein Gebiet kann abgeriegelt oder gesperrt sein – höchstens im Labor auch „hermetisch“.    

Hochdruck In Verbindung mit Ermittlungen, die mit „Hochdruck“ geführt werden. Nur weil der überflüssige Begriff in den Pressemitteilungen der Polizei steht, sollte er nicht so einfach in Nachrichtentexten übernommen werden.    

kalte Temperaturen Temperaturen haben keine Temperatur. Sie können deshalb nicht kalt sein. Temperaturen haben nur einen Wert, der höher oder niedriger liegt.    

Menschen evakuiert Nach langjähriger Falschbenutzung inzwischen sogar vom Duden zugelassen. Menschen werden demnach „luftleer“ gemacht oder „vollständig geleert“. Das sollte eigentlich für die Gebiete gelten, aus denen sie in Sicherheit gebracht wurden.    

mit voller Härte Ein weiterer Klassiker für das Drama-Argument. Wurde Ihnen jemals von halber Härte berichtet? Oder von verminderter Wucht? Wer gern aufgeblasen argumentiert, ist mit voller Härte dabei. Die Anderen bleiben sachlich.    

sozial schwach Eine gezielte Verharmlosung von „arm“. Wird vor allem in Politik und Wirtschaft gerne eingesetzt, um das Gesagte mit einer Nebelkerze zu verzieren.    

Sünder Oft in verharmlosender Verbindung mit Verdächtigen oder verurteilten Straftätern, z.B. Steuer-, Tempo-, Doping- oder Umweltsünder. Suggeriert Geringfügigkeit des Tatbestands.    

Super-GAU Der GAU steht für den größten anzunehmenden Unfall. Noch größer geht nicht, auch wenn ein „Super“ davor gestellt wird.    

teilweise verletzt Wenn „Fünf Menschen teils schwer verletzt“ sind, handelt es sich um eine sinnfreie Verkürzung. Menschen sind entweder leicht oder schwer verletzt, aber nicht beides. Besser: „Fünf Menschen verletzt, einige von ihnen schwer“    

teure Preise Es gibt Dinge, die sind teuer. Und welche, die sind günstig – auch wenn sie nicht billig sind. Andere Dinge sind preisgünstig. Der Preis ist hoch oder niedrig. Der Preis an sich kann aber weder teuer noch billig sein. Oder möchten Sie den Preis kaufen?    

Thermometer fällt Wenn Herbst und Winter völlig überraschend einbrechen, gehen erstaunlich viele Thermometer kaputt, denn die Medien berichten von „fallenden“ Messgeräten. Millionen Barometer und Hygrometer erleiden jährlich ähnliche Schicksale

Todeskandidat Kandidaturen sind grundsätzlich freiwillig. Diese Formulierung unterstellt dem zum Tode Verurteilten in zynischer Form, eine Wahl gehabt zu haben.    

unschuldige Frauen Sowohl in Kriegspropaganda als auch in emotionaler Berichterstattung finden sich die „unschuldigen Frauen und Kinder“. Frage nach dem Gegenteil: Wer sind die schuldigen Frauen und Kinder? Und was ist mit unschuldigen Männern?    

Zeit umstellen Tun Sie es nicht! Physiker warnen schon lange vor Änderungen im Raum-Zeit-Kontinuum. Es genügt, wenn Sie die Uhr umstellen.